Ole - ungeplante HBA2C



Meine Geschichte ist schon ein paar Jahre alt, verliert für mich aber nicht ihren Zauber und ihre Kraft. Ich hoffe, sie macht Euch Mut.

Im Jahr 2006 wurde ich per sekundärer Sectio zum ersten Mal Mutter, mein Sohn war wohlauf und ich glücklich.

Als ich mit meinem 2. Kind schwanger war, wusste ich - ich will eine Spontangeburt anstreben. Aufgrund von Narbenschmerzen unter Vorwehen (und meines GDM-bedingt großen Kindes) wurde ich in der 36.ssw per primärer Sectio entbunden (intraop Befund : Naht dünn, aber noch intakt).

Direkt nach der Geburt war klar, falls ich erneut schwanger werde, möchte ich erneut versuchen spontan zu entbinden.

Ich suchte mir "mein Team" zusammen, meine Hebamme und meinen Gynäkologen - die jederzeit hinter meinem Wunsch standen. Die Suche nach einer Geburtsklinik ging relativ flott, im Internet las ich einige Berichte über Speyer. Dort wurde ich mit meinem Wunsch angenommen, keine Sekunde wurde ich verunsichert, sondern bestärkt.

Am 14. April morgens um 6:30Uhr hatte ich einen Blasensprung, weckte meinen Mann und ging duschen.

Wehen hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt keine, unter der Dusche kamen sie mit einem Schlag sehr heftig und intensiv.
Mein Mann war in der Zwischenzeit noch schnell mit dem Hund raus, da Speyer ne Ecke weg ist (~45min).

Ich stieg aus der Dusche, versuchte mich anzuziehen und schleppte mich irgendwie nach unten. Dort musste ich dringend auf die Toilette und merkte plötzlich dass ich einen wahnsinnigen Druck nach unten verspüre. Das war der Zeitpunkt, in dem mir klar wurde - Wir schaffen es nicht in die Klinik!

Ich rief meinen Mann an, er solle sofort zurück kommen.

Er kam, sah mich und wurde etwas bleich , wir riefen meine Hebamme an.
Die saß glücklicherweise schon beim Frühstück, hörte mich tönen, ließ mich selbst tasten (ich beschrieb was ich spürte, nämlich den Kopf) und meinte nur, sie kommt sofort.

Ich hatte zu diesem Moment schon einen Drang zu schieben, ich war voll bei mir, habe mich nur auf meinen Körper konzentriert und einfach gemacht.

Zwischendurch bat ich meinen Mann um viele Handtücher, ich sagte ihm dass er mich einfach machen lassen soll und mir vertrauen soll.

Mein Sohn kam, ich nahm ihn mit meinen Händen entgegen, entfernte die Nabelschnur um seinen Hals (heute weiß ich nicht mehr, wie oft sie um seinen Hals geschlungen war...) und setzte mich auf die vorbereiteten Handtücher.

Ich war wie in Trance, saß da und bewunderte dieses Häuflein Mensch.

In dem Moment klingelte meine Hebamme, kam rein und strahlte uns an.

Die Nabelschnur durfte auspulsieren, die Plazenta durfte in ihrem Tempo geboren werden.

Es war wie ein Traum, meine Traumgeburt!

(Durch die schnelle, heftige Geburt erlitt ich leider Verletzungen die meine Hebamme vor Ort nicht versorgen konnte. Ich musste in die Klinik, dort erlebte ich ein Trauma dass mich lange beschäftigt hat. Darüber schreibe ich hier allerdings nicht, denn es hat nichts mit meiner Traumgeburt zu tun.)

Wir genossen das Wochenbett zuhause, es war wunderschön.

Ich bin meinem Mann und meiner Hebamme unendlich dankbar, ohne sie hätte ich mich nicht so vorbereiten und letztlich so gebähren können. Ich hoffe, ich darf das Wunder der Geburt noch einmal erleben (wenn auch aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen, wohl nicht mehr zu Hause.)
 

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© Kristina Wierzba-Bloedorn