Michael - HBAC

 

 

 

Hausgeburt nach sekundärer Sectio

Vorgeschichte:
Schon bevor ich schwanger wurde, suchte ich mir eine Hebamme, die mich und meinen Wunsch ernst nahm, nach einem Kaiserschnitt eine normale Geburt zu erleben.
Über ein halbes Jahr vor dem positiven Test, hatte ich eine Hebamme gefunden, die mich ins Krankenhaus begleiten würde. Wir machten aus, ich solle mich melden, wenn ich schwanger bin.


Der Test war positiv und wir trafen uns ein paar Mal, mir erschien es anfangs richtig und gut, aber eines morgens wachte ich auf und wusste, mit dieser Hebamme würde ich mein Kind nicht normal bekommen können, das Zwischenmenschliche passte nicht.
So begann die Suche von vorne, ich war bereits im 4. Monat. Tagelang habe ich im Internet gesucht und gelesen und flog über einige Berichte, wo Frauen ihre Kinder nach einem Kaisersschnitt auch Zuhause bekommen hatten.
Mein Wunsch wuchs wie das Baby in meinem Bauch, diesen Traum wahr werden zu lassen.
Ich fand 3 Hebammen, die mit mir eine Hausgeburt und damit eine vaginale Geburt versuchen würden. Ich war so glücklich. Jede würde mich begleiten und die lange Fahrt zu mir auf sich nehmen. So lernte ich alle 3 Frauen kennen, und unter verschiedenen Voraussetzung wurde G. meine Hebamme und E. ihre Vertretung.

Der ET verging, und meinem Baby wohnte noch immer im Bauch.
Nachdem sich über eine Woche nichts getan hat, ging es dann bei ET +10 vormittags zum Doppler ins Krankenhaus.
Befund: Fruchtwasser genug vorhanden, Herztöne Top, Nabelschnurr Top. Also alles Bestens für ein, zu diesem Zeitpunkt, 10 Tage über Termin entwickeltes Baby.

So ging es, mit dem Hinweis in 2-3 Tagen doch wieder zu kommen und dann über eine Einleitung nachzudenken, wieder nach Hause.
Mit dem Satz des Arztes im Kopf, "Eine Hausgeburt nach Sectio, Sie wissen über die Risiken... aber Sie werden es schon wissen!"

Am Abend bei ET +11 hatten wir es dann noch geschafft, einen Gipsabdruck vom Bauch zu machen. Danach ging es noch in ein Entspannungsbad wo zwar immer mal der Bauch hart wurde, aber ich nicht mit einem schnellen Geburtsbeginn rechnete. So legte ich mich dann gleich ins Bett. Mein Mann scherzte, dass ich gerne heute Nacht das Baby gebären könne, er hätte keine Lust morgen zur Arbeit zu fahren. Einerseits empfand ich das nicht lustig, andererseits dachte ich mir, wenn ich tief in mich horchte, dass wir ihm vielleicht diesen Wunsch erfüllen könnten.

Am nächsten Morgen, ET +12, erwachte ich in den frühen Morgenstunden mit einem leichten Ziehen im Bauch, Oberschenkel und Rücken und hoffte, dass das langsam die Einstimmung auf die baldige Geburt werden würde.
Nach ca. 1 Stunde Ziehen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, weckte ich dann meinen Mann auf, mit dem Satz "Schatz, es ist schon 6 Uhr, du musst bald los, aber nicht zur Arbeit".


Um 6.30 Uhr bin ich raus aus dem Bett und habe langsam angefangen das Wohnzimmer zu richten und einfach in Bewegung zu bleiben.
Die Wehen kamen dann schon alle 5-6 Minuten für eine gute Minute.
Daraufhin entschloss ich mich dann um kurz nach 7 Uhr meine Hebamme anzurufen und sie über die Wehen zu informieren. Wir freuten uns beide sehr, dass der kleine Mann nun selbst den Startschuss gegeben hatte, und machten aus, wenn ich mich nicht mehr melde, ist sie zwischen 9.30-10.00 Uhr hier.

Nun saß ich da, auf dem Wohnzimmersessel und veratmete eine Wehe nach der anderen, die gut spürbar, aber noch aushaltbar waren. Kaum stand ich aber oder ging ein paar Schritte, kamen die Wehen heftiger und in kürzeren Abständen.
Kurz nach 9 Uhr kam unsere Hebamme bei uns an, setzte sich zu uns, während mein Mann den Pool befüllte und wartete ab, was geschah.
Ich wehte vor mich hin - mit jeder Wehe schloss ich die Augen um ganz bei mir zu sein.

Nachdem mich G. kurz untersuchte zwischen zwei Wehen und mir erzählte das der MuMu schon ca. 8 cm offen war (nach ungefähr 5 Std.) ging es dann gegen 10.30 Uhr in den warmen Pool. Das war unglaublich entspannend und ich fühlte mich sehr wohl.

Dort veratmete ich immer wieder eine nach der anderen Wehe für mich während mein Mann und meine Hebamme sich leise und angenehm unterhielten (was auf meinen Wunsch hin gemacht werden durfte).

Im Wasser wurden die Wehen zunehmend länger und intensiver und hatten meist einen Abstand von 2-3 Minuten.

Ich fühlte mich so wohl, und machte alles aus dem Körpergefühl heraus, dass es für G. erst mal keinen Grund gab, sich einzubringen.
Sie schlug verschiedene Positionen vor, die ich dann auch je nach Gefühl probierte.
Von Wehe zu Wehe nutzte ich immer mehr die Pausen, um mich auszuruhen und Kraft zu tanken und öffnete nur noch die Augen, wenn es sein musste.

Die Schmerzen im Rücken wurden immer stärker, so dass mein Kopf zwischendurch tatsächlich an einen Abbruch dachte, an Schmerzmittel oder gar an einen weiteren KS nur um die Rückenschmerzen los zu sein. Diese Gedanken schob ich dann ganz schnell mit "du spinnst, du hast es so gewollt, aufgegeben wird nicht" zur Seite.

Irgendwann ging es nicht mehr weiter und die Option, die Blase zu öffnen stand im Raum, da sich bei den Wehen nur die Blase nach vorne schob aber nicht auch noch der Kopf. Zwei Wehen später und einer einfühlsamen Hebamme, die wusste dass ich gegen das Öffnen war, da es bei der ersten Geburt auch nicht klappte, sprengte sie dann zum Glockenschlag die Blase und ein Schwall Fruchtwasser ging über in den Pool. Dabei drückte dann auch gleich der Kopf weiter nach unten.

Daraufhin forderte sie mich nochmal zu einem Positionswechsel auf, in die Hocke u Arme über den Rand.
Wenige Presswehen weiter, die aber kein Ergebnis brachten, wollte sie mich nochmal an Land untersuchen.

Zwischenzeitlich klingelte das Telefon.
Das machte mich so wütend, dass ich durch das ganze Haus brüllte: "Welcher Idiot ruft denn jetzt an?"
Aber genau diese Wut brauchte ich und nahm die nächste Presswehe mit und drückte.
Und merkte dass sich der Kopf voran arbeitete.

Dann sollte ich raus, konnte ich aber nicht und habe das auch sehr forsch gesagt, da kam schon die nächste Presswehe und der Kopf zeigte sich ein Stückchen.

Meine Hebamme ermutigte mich, zum weiter mit-drücken, aber ich musste erst einmal pausieren. Die nächste Wehe war sehr schmerzhaft, es brannte und zog unglaublich stark. Dennoch versuchte ich so gut es ging mit zu drücken, bis endlich der Schmerz nach ließ und dieser ungehaltene Druck weg war.
Der Kopf war geboren.

Nach zwei weiteren Presswehen, die mein Körper ganz alleine und intuitiv dosiert verarbeiteten, war mein Baby geboren.

Nachdem dann meine Hebamme ihn aus der Nabelschnurr befreite, die sowohl um einen Arm, eine Schulter u den Hals gewickelt war kam er dann mit geöffneten Augen auf meinen Armen, aus dem Wasser gestiegen und schaute sich erst einmal sprachlos um.

Es dauerte sicher 30 Sekunden bis er das erste mal richtig Luft holte. Rosig, wach und propper schaute er uns an. Mit Käseschmiere am ganzen Körper.

Die Plazenta wurde wenige Minuten später auch geboren. Erst traute ich mich nicht mehr zu drücken, aber Sie kam dann fast von alleine, ich musste nur ganz leicht husten, und ohne Schmerzen.

Stolze 4200 g, 54 cm und einen KU von 38 cm brachte mein Baby mit auf die Welt.

Fazit: es gibt nichts Schöneres als eine vaginale Geburt, mitten in einer Wohlfühloase, selbstbestimmend mit einem wunderbaren Mann an meiner Seite, und einer vertrauensvollen Hebamme.

 

 

 

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© Kristina Wierzba-Bloedorn