Quinn - VBAC


Beleggeburt mit einer Hebamme im Krankenhaus

 

 

Am 19. September 2010 wurde mein erster Sohn per sekundärer Sectio unter Vollnarkose geboren. Ich hatte zwei Tage zuvor einen Blasensprung ohne Wehen, auf den mehrere Einleitungsversuche, Wehentropf, PDA etc. folgten … alles sehr interventionsreich und leider nicht zielführend. 46 Stunden nach dem Blasensprung wurde dann die Entscheidung Kaiserschnitt wegen Geburtsstillstand getroffen. Ich war am Boden zerstört und weinte, als ich in den OP geschoben wurde. Als dann die PDA nachgespritzt wurde, aber nicht wirkte, musste mein Mann wieder aus dem OP und ich wurde unter Vollnarkose gesetzt.

Um 1.19 Uhr wurde mein Sohn entbunden, ich kam gegen halb 3 wieder zu mir, bekam das Kind auf den Arm gelegt und weiß, dass ich große Schwierigkeiten hatte, ihn mit meinen Augen scharf zu stellen, so benebelt war ich noch von der Narkose.

An diesem Geburtserlebnis hatte ich lange Zeit zu knabbern, auch wenn Außenstehende das nicht verstehen konnten. Schließlich ging es mir und dem Kind ja gut … aber mir fehlte einfach das Geburtserlebnis, der erste Schrei, das Kuscheln direkt nach der Geburt, einfach alles, was für mich zu einer Geburt dazu gehört.

Sollte ich jemals wieder schwanger werden, würde das anders laufen … das hatte ich mir geschworen und mich in der Zeit nach der Geburt informiert, habe viel gelesen und recherchiert.

Anfang 2016 hielt ich dann endlich den langersehnten Schwangerschaftstest in der Hand. Ich suchte mir eine Hebamme, die mich nicht nur im Wochenbett betreuen würde, sondern bei der ich auch die Vorsorge machen könnte und die mich bei der Geburt begleiten würde. Ich wollte nicht irgendeine Hebamme, die gerade Dienst hat, oder gar mehrere wegen Schichtwechsel. Ich wollte jemanden, der mich und meine Situation und Vorgeschichte kennt.

Am 04.09.2016 kam dann ... ziemlich genau 6 Jahre nach meinem ersten Sohn ... mein zweiter Sohn spontan und recht schnell ohne irgendwelche Schmerzmittel oder Interventionen nur mit Hilfe meiner Hebamme in einem kleinen Krankenhaus zur Welt.

Die ersten Wehen begannen schon morgens um 4, waren sehr leicht und kamen alle 10 Minuten. Nach dem Mittagessen waren sie etwas stärker und kamen ca. alle 5 Minuten. Bei der Kontrolle bei meiner Hebamme war der Muttermund aber noch komplett zu, also gingen wir wieder nach Hause und warteten ab. Den Großen hatten wir bereits zu Oma gebracht, damit wir dann, wenn es schnell gehen musste, keine Zeit verlieren würden.

Bis ca. 17 Uhr konnte ich die Wehen gut veratmen, dann wurde es zunehmen schwerer und auch die Abstände kürzer. Also fuhren wir wieder zur Hebamme und von dort gegen 19 Uhr mit einer Öffnung des Muttermundes von ca. 1 bis 2 cm zusammen ins Krankenhaus.

Während mein Mann die Formalitäten erledigte, versuchte ich durch Bewegung und Atmung die Wehen erträglicher zu machen. Meine Hebamme ließ Wasser in die Geburtswanne ein, und dort verbrachte ich dann die Eröffnungsphase. Das warme Wasser tat mir gut, und die Wehen wurden schnell stärker. Der Muttermund öffnete sich zwischen 20 Uhr und halb zehn vollständig. Der Drang zu pressen wurde immer stärker, so dass ich dann aus der Wanne ausstieg und diese "an Land" bewältigte. Alles ging sehr schnell und ich war den Wehen völlig ausgeliefert, habe mich nur noch von Wehe zu Wehe gehangelt. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich jedoch das Bedürfnis nach Schmerzmitteln zu verlangen. Es waren zwar starke Schmerzen, aber für mich trotzdem zu bewältigen.

Um 22.04 Uhr bekam ich mein glitschiges, schreiendes Kind auf den Bauch gelegt. Die Nabelschnur durfte auspulsieren, die Plazenta geboren werden und mein Dammriss wurde versorgt ... Alles mit Baby auf dem Bauch. Erst anschließend wurde gemessen und gewogen.

Diese Geburt war zwar nicht schmerzfrei, aber trotzdem wunderschön. Sie hatte alles, was beim ersten Mal fehlte und hat mir so enorm geholfen, mit der ersten Geburt bzw. deren Umständen abzuschließen. Ich weiß nun, dass mein Körper in der Lage ist, Wehen zu produzieren, ein Kind zu gebären und dass ich stark genug bin, diesen Kraftakt zu schaffen.

Besonders geholfen hat mir die ruhige Atmosphäre im Kreißsaal, wo wir – mein Mann, meine Hebamme und ich – komplett unter uns waren. Erst kurz vor der Geburt kam ein Arzt dazu, der aber nur zusah, wie mein Sohn geboren wurde und zusammen mit der Hebamme den Zeitpunkt bestätigte. Nach der Gratulation verließ er uns wieder und wir konnten weiter ausgiebig kuscheln und anlegen – bevor es dann für Mama und Baby auf die Station ging.

Müsste ich es noch einmal machen, würde ich es wieder genauso machen, wie bei dieser zweiten Geburt. Ich kann nur jedem empfehlen, sich eine gute Hebamme zu suchen – denn ohne die, hätte ich das sicher nicht geschafft.

 

 

 

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© Kristina Wierzba-Bloedorn