Einleitungen

 

Nicht immer verläuft eine Einleitung erfolgreich, doch stets ist sie mit Risiken verbunden. Ein großer Teil der Untersuchungen hierzu hat die Risiken nicht in Betracht gezogen (und oft wird darüber nicht aufgeklärt):

 

  • Eine eingeleitete Geburt ist oftmals schnell und heftig und deshalb schmerzhafter, als Wehen, die von selbst beginnen.

 

  • Da eine Einleitung meist mit einer PDA einhergeht, kann das weitere Eingriffe nach sich ziehen, die wiederum Risiken in sich bergen (z.B. Infektionsrisiko bei Blasenkatheter). Bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit geht die Eröffnung langsamer vor sich, weshalb der Tropf weiter aufgedreht wird, so daß mehr künstliches Oxytocin ins Blut gelangt. Ein zu großes Blutvolumen kann zu Hypervolämie führen.

 

  • Es kann zu einer Hypertonie der Gebärmutter kommen. Das bedeutet, daß diese sich durch sehr starke Wehen, die zwei Minuten und länger dauern, heftig zusammenzieht, wodurch die Blutversorgung des Kindes beeinträchtigt ist. Durch normale Geburtswehen wird das Baby gedrückt, als würde es heftig umarmt. Auf dem Wehenhöhepunkt ist die Blutzufuhr verringert, nimmt jedoch nach jeder Wehe wieder zu.

 

  • Bei einer eingeleiteten Geburt besteht das Risiko, daß der Rhyhtmus der Wehen verlorengeht und sich die Gebärmutter verkrampft. Die Folge davon ist, daß die Herztöne des Kindes entweder sehr schnell werden (Tachykardie) oder sehr langsam (Bradykardie). Dann können nach der Geburt Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig werden, und das Baby kommt zur Beobachtung auf die Intensivstation.

 

  • Oftmals ist es nicht möglich, sich frei zu bewegen oder manchmal auch nur unbehindert die Haltung im Bett zu wechseln: Wehentropf im arm, Blutdruckmanschette, Blasenkatheter, Kopfschwartenelektrode beim Kind, PDA-Kanüle im Rücken...

 

  • Die Geburt bei einer Einleitung wird immer elektronisch überwacht, die Herztöne des Babys und mögliche Warnzeichen werden genau beobachtet. Aufzeichnungsgeräte, Warnlampen, Kurven und Alarme wirken sehr beunruhigend. Dann wird die Geburt möglicherweise noch durch einen Dammschnitt verkürzt, um den Geburtsweg zu erweitern, die Zange wird eingesetzt, oder, wenn der Kopf noch zu weit oben ist, ein Kaiserschnitt gemacht.

 

  • Die Informationen, die das CTG liefert, stehen in keinem oder nur in einem geringen Zusammenhang mit dem Zustand des Babys bei der Geburt. Es ist zuwenig über die normalen Abweichungen der kindlichen Herzfrequenz bekannt, als daß allein auf der Grundlage von verdächtigen Aufzeichnungen Eingriffe gerechtfertigt wären.

 

  • Oxytocin als Wehenverstärker ist nicht harmlos! Die Wehen sind schmerzhafter, die Gebärmutter kann überstimuliert werden und das Baby unter Sauerstoffmangel leiden.

 

  • Einstellungsanomalien (das Kind dreht sich falsch ins Becken) treten gehäuft bei Geburtseinleitungen auf

 

(Quellen: Sheila Kitzinger, Prof. Dr. Peter A. M. Weiss)

 

Beachte: all diese Aspekte sind bei einer Einleitung statistisch gesehen wahrscheinlicher. Sie KÖNNEN eintreten, müssen es aber nicht!

 

 

 

Bislang weitverbreitet weil billig und effektiv war die Einleitung mit Misoprostol (Wirkstoff Cytotec, hergestellt von Pfizer Pharma), ein Prostaglandin-Derivat.

Dieses Medikament hat aber NIE die Zulassung zur Geburtseinleitung erhalten, sondern wurde immer im sog. "off-label-use" eingesetzt. Auf der Packungsbeilage wurde sogar ausdrücklich vor einer Anwendung in der Schwangerschaft abgeraten. Es wurde dennoch weitverbreitet zur Geburtseinleitung verwendet. Wurde? Das gilt nur für Deutschland, Pfizer hat das Medikament vor einiger Zeit vom Markt genommen - vom deutschen Markt wohlgemerkt, denn in anderen Ländern wird es NACH WIE VOR eingesetzt und auch der Re-Import aus dem Ausland wird für Deutschland empfohlen.

Warum wurde es für Deutschland vom Markt genommen?

"Es kam zu unzähligen Fällen von mekoniumhaltigem Fruchtwasser, Uterusüberstimulationen und Uterusrupturen, Fruchtwasserembolien und somit zu geschädigten Kindern und Müttern. 1999 lagen genügend Beweise vor, daß man sich dazu entschließen mußte, von Misoprostolgaben bei Frauen nach vorangegangener Sectio wegen drohender Uterusrupturgefahr abzuraten. Das Risiko für eine Ruptur bei einer Frau nach Sectio beträgt normalerweise 1:200, wird die Geburt bei ihr aber mit Cytotec eingeleitet, erhöht sich das Risiko auf 1:20 (!).
Aus diesen Resultaten zu schließen, die Cytotec-Einleitung berge nur Gefahren für Frauen mit Uterusnarbe, kann nicht bestätigt werden. In einem Artikel wird über 16 desaströs verlaufende Misoprostol-Einleitungen berichtet: Sieben Uterusrupturen traten auf, aber nur fünf Frauen hatten zuvor mit Kaiserschnitt entbunden (also traf es auch zwei Frauen ohne KS-Vorgeschichte!). Es kam zu jeweils vier Fruchtwasserembolien, mütterlichen und kindlichen Todesfällen (...)"

(Quelle: Deutsche Hebammenzeitschrift 4/2006)
 

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© Kristina Wierzba-Bloedorn