Geburt aus Beckenendlage

 

 

 

Was sagt Dr. Alfred Rockenschaub zum Thema BEL - Sectio oder vaginale Geburt?


Beim Standardkaiserschnitt wird die untere Bauchhöhle und das untere Uterinsegment eröffnet und das Kind durch diese Öffnung extrahiert. Ganz gleich nach welcher Methode das untere Uterinsegment (am Ende der Schwangerschaft) eröffnet wird, es ergibt sich ein bestenfalls 13-14 cm langer Schnitt. Dieser entspricht einem Kreisumfang von 27 cm und einem Durchmesser von 8,5 cm. Meistens wird aber der Schnitt viel kürzer angelegt und mit den Fingern stumpf erweitert. Die so erreichte Öffnung geht kaum einmal über 12 cm Länge, also 24 cm Umfang und 7,5 cm Durchmesser hinaus. Durch diesen Ring, der gewebemäßig dafür nicht vorbereitet ist, wird nun der kindliche Kopf herausbefördert: gehebelt, gepreßt, gezogen.

Mit dem Kaiserschnitt schafft man also Bedingungen, wie sei gegeben wären, gedächte man im Verlaufe einer normalen Geburt da Kind bei handtellergroßem Muttermund zu extrahieren. Niemand wird nun sagen, daß dies eine empfehlenswerte Vorgangsweise wäre. Eine Steißgeburt hält man deswegen für ein Risiko, weil der Kopf den vom Steiß nicht vollständig gedehnten Muttermund relativ schnell passieren müßte. Als Therapie empfiehlt man hier merkwürdigerweise den Kaiserschnitt, obwohl der Durchlaß, den der Kopf jetzt zu passieren hat, sicher nicht größer und das Gewebe sicher weniger dehnbar ist, als es im Bereich des Muttermundes wäre. Doch die geburtsmedizinische Logik hat ihre eigenen Gesetze.

Ein modernes Kapitel stellen die kosmetischen Kaiserschnitte dar. Die Frau sieht kaum mehr eine Narbe. Welches Risiko der (zu) kleine Schnitt für das Kind und sie bedeutet, weiß sie gewöhnlich nicht. Wer sich auskennt und gelegentlich solchen Operateuren auf die Finger schaut, wundert sich immer wieder, wie viel fürs erste die Mütter an Blutverlusten und die Kinder an Grobheiten vertragen. Er kommt unweigerlich zum Schluß: Wer solche Kaiserschnitte glimpflich übersteht, ist zweifellos auch der anstrengendesten Geburt gewachsen.

(Quelle: "Gebären ohne Aberglaube", Kapitel 'Geburtsmedizinische Standardoperationen', Dr. Alfred Rockenschaub)

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© Kristina Wierzba-Bloedorn