Misgav Ladach

 

 

 

Bei der Misgav-Ladach-Methode wird die Gebärmutter mit einem Faden wieder zugenäht - statt wie früher üblich mit zwei Nähten.

 

In dem Buch "Die selbstbestimmte Geburt" von Ina May Gaskin wird der renommierte Pathologe und Fachautor Dr. Kurt Benirschke erwähnt, der im Jahr 1999 bei einer geburtshilflichen Jahreskonferenz davor warnte, dass die neue Methode, die Gebärmutter mit einer einzigen Naht zu vernähen, eine mögliche Ursache für den Anstieg lebensbedrohlicher Plazentastörungen wäre, den er in den letzten Jahren beobachtet hat.

 

Ina May Gaskin schreibt, Dr. Benirschke hätte innerhalb von drei Jahren zehn Fälle von Plazenta percreta gehabt. Bevor er an das Krankenhaus kam, wo die Methode mit einer Naht bevorzugt wurde, hätte er noch nie vorher mit dieser Komplikation zu tun gehabt.

 

Bei einer Plazenta Percreta wächst die Plazenta über die Gebärmutternarbe und das Bindegewebe - manchmal bis in andere Organe oder sogar die Blase hinein. Eigentlich haftet die Plazenta an der Gebärmutterwand - allerdings nicht am Bindegewebe oder am Gebärmuttermuskel, schreibt Ina May Gaskin.

 

Sie berichtet weiter über eine Studie aus Montreal an 2142 Frauen, bei der die alte mit der neuen Nahtmethode verglichen wurde. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Uterusruptur bei der Eine-Naht-Methode viermal so hoch sei. *

 

Ina May Gaskin kommt in ihrem Buch zu dem Schluß, dass die Vorteile des Einmalverschlusses nicht wirklich erwiesen sind, da es kaum Untersuchungen über die Sicherheit der Methode gibt.

 

In der Cochrane-Datenbank systematischer Untersuchungen 2000 fanden sich zwei Studien, die den Bewertungskriterien chirurgischer Methoden und Medikamenten entsprachen, schreibt sie. In diesen Studien wurden 382 Frauen mit Einmalverschluss verglichen. Beide Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die neuere Nahtmethode eine Zeitersparnis von ca. 4-5 Minuten pro OP bringt, aber beide Studien waren nicht so gut angelegt, dass die Sicherheit der Methode nachzuweisen war.

 

Die Methode des Einmalverschlusses wird oft unter dem Hinweis auf den geringeren Blutverlust, die bessere Wundheilung und die geringeren Schmerzen angepriesen.

Aber es wurden nie die Auswirkungen auf Folgeschwangerschaften und mögliche Schäden berücksichtigt.

 

Ina May Gaskin meint in ihrem Buch, dass die neue Methode vor allem von wirtschaftlichen Aspekten getrieben wird: man benötigt laut der wenigen Studien zum Einmalverschluss weniger Nahtmaterial, die Operationsdauer wird verkürzt und eine frühere Entlassung der Frauen ist möglich. Dieser Faktor würde für die Krankenhäuser eine Kostenersparnis, aber keine größere Sicherheit für die Frauen bedeuten.

 

Sie rät den Frauen, im Vorfeld zu klären, ob ihre Gebärmutter in zwei Schichten genäht wird, falls sie einen Kaiserschnitt benötigen. Das Öffnen der Gebärmutter durch das Dehnen (statt des Schneidens), hält sie trotzdem für gut. Es entspricht dem Prinzip des Umgangs mit dem Damm unter der Geburt des Kindes: heute wird weniger geschnitten und mehr reißen gelassen - weil dadurch an die Natur selber an der schwächsten Stelle sich "ihren Weg sucht" und die Heilung dadurch oft besser verläuft.

 

* In Ina May Gaskins Buch "Die selbstbestimmte Geburt" steht folgende Quelle:

Bujold, E., Bujold, C., Hamilton, E.F. und Gauthier, R.J. :The impact of single-layer or double-layer closure on uterine rupture. American Journal of Obstretics and Gynecology, 2002, 186: 1326-30

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© Kristina Wierzba-Bloedorn